Verein der Angestellten sozialer Organisationen der Schweiz

Lehrreiche Besichtigung der ARA Eich in Bassersdorf

Eine Anlage auf dem neusten Stand

Für den Bildungsteil der VASO-Generalversammlung 2019 begaben sich die Teilnehmer zur Abwasserreinigungsanlage Eich in Bassersdorf. Dort wurden sie von Betriebsleiter Patrick Sonderegger herzlich in Empfang und auf einen kurzweiligen und interessanten Rundgang mitgenommen. Organisiert wurde der Anlass von Christoph Wiggenhauser.

Man kann sich auf den ersten Blick vielleicht schönere und «anmächeligere» Exkursionsziele vorstellen als eine Abwasserreinigungsanlage, aber kaum eines, bei dem die persönliche Betroffenheit einer und eines jeden der Teilnehmenden so unmittelbar ist. Das spiegelte sich im sichtlich grossen und nicht erlahmenden Interesse, mit dem alle den mit viel Engagement vorgetragenen Erläuterungen von Patrick Sonderegger folgten.

Die ARA Eich in Bassersdorf nimmt neben den Abwassern der Standortgemeinde auch jene der beiden weitläufigen, aus vielen Fraktionen gebildeten Gemeinden Lindau und Nürensdorf auf. Der Zweckverband erfasst zurzeit 22 000 Einwohner, ausgelegt ist die Anlage jedoch für 28 000. Mit der Inbetriebnahme einer zusätzlichen Stufe zur Elimination von Mikroverunreinigungen vor einem halben Jahr zählte die Anlage im Moment der Besichtigung zu einer der zehn modernsten in der Schweiz. Für die Fünf-Millionen-Investition bestand eine gewisse Dringlichkeit, um den nur eine geringe Wasserführung aufweisenden Altbach, der die gereinigten Abwasser aufnimmt, zu entlasten.

Die Besichtigungstour folgte dem Verarbeitungsgang der Anlage. Da fielen zuerst einmal die typischen Schneckenpumpen auf, die das zulaufende Abwasser der Grobrechenanlage zuführen. Hier bleibt alles hängen, was grösser als 4 cm ist. Was das alles sein kann, rief schon mal nicht geringes Erstaunen hervor. Slips, Pouletteile und andere Fleischstücke müssen da herausgefischt und der Kehrichtverbrennung zugeführt werden. In ganz schlimmer Erinnerung geblieben ist Patrick Sonderegger in diesem Zusammenhang die Zeit unmittelbar nach der Einführung der Kehrichtsackgebühren. Die weiteren Stationen der mechanischen Reinigungsstufe sind der Sand- und Ölfang sowie der Feinrechen. Hier kommt nur noch durch, was kleiner als 3 Millimeter ist. Am Schluss dieser Stufe werden im Vorklärbecken die absetzbaren Abwasserinhaltsstoffe sowie die Schwimmstoffe herausgefiltert. Eindrucksvoll waren in diesem Betriebsteil auch die beiden Regenbecken: Riesige Säulenhallen zu je 1000 Kubikmeter Fassungsvermögen, die bei Wolkenbrüchen das Meteowasser aufnehmen. Es wird nach dem Setzen des mitgeführten Sand direkt dem Altbach zugeleitet.

In der biologischen Reinigungsstufe setzen Millionen von Bakterien den Reinigungsprozess fort. Dazu muss dem Wasser Sauerstoff zugeführt werden. Die Bakterienkulturen reagieren empfindlich auf chemische Gewässerverschmutzung, was auch schon einen Totalausfall verursacht hat. Die biologische Stufe wird zweistrassig geführt, damit bei Ausserbetriebnahme eines Beckens für Wartungsarbeiten durchgehend eine gewisse Reinigungsleistung bestehen bleibt. Im Nachklärbecken erfolgt die Trennung von Belebtschlamm und gereinigtem Abwasser. Der im Verlaufe der Verarbeitung ausgefällte Schlamm wird in mehreren Stufen behandelt. Zuerst gilt es einmal, in der Schlammsiebung unerwünschte Fremdstoffe wie Wattestäbchen, Zigarettenkippen oder Haare aus dem Schlamm zu nehmen. Dann wird er in mehreren Gängen eingedickt und im Faulraum erhitzt. Durch den Faulungsprozess entstehen Methangase, die für die Wärme- und Energieerzeugung genutzt werden. Der entwässerte Klärschlamm wird am Ende mit Lastwagen der Klärschlammverbrennung im Werdhölzli in Zürich zugeführt.

Der Stolz der ARA-Betreiber in Bassersdorf ist die neue Verfahrensstufe zur Elimination von Mikroverunreinigungen. Hervorgerufen werden sie vor allem durch Medikamentrückstände, Pestizide und Hormone. Durch die biologische Reinigung können sie nur teilweise eliminiert werden. Um sie effektiv zu beseitigen wird im neuen Teil der Anlage Ozon eingeblasen. Es durchläuft dabei mehrere Kaskaden eines Ozonungsreaktors. Die Kunst ist dabei die richtige Dosierung. Der Ozonung nachgeschaltet ist die Sandfiltration. Das Wasser passiert hiezu eine 4 Meter dicke Quarzsandschicht, wobei durch das Ozon aufgebrochene organische Verbindungen durch Bakterien abgebaut werden. Auch allfällige letzte Kleinpartikel bleiben in der Sandfiltration zurück. Das Resultat ist, wie eine Wasserprobe zeigte, eine mindestens für das Auge beeindruckende Wasserqualität. «Klar wie ein Gebirgsbach», kommentierte ein Teilnehmer.

Nach der Begleitung des Bassersdorfers Abwasser durch die vielen Verarbeitungsstationen bis zur Übergabe in gereinigter Form an den Zulaufkanal zum Altbach, war die Besichtigung noch nicht zu Ende. Zur Anlage gehört natürlich auch ein Labor sowie ein modernst ausgestatteter Überwachungsraum. Und schliesslich folgte dem Rundgang noch eine Einladung zu einem Apero. Dabei kamen auch noch politische Fragen rund um die Abwasserreinigung aufs Tapet, etwa zum Thema Klärschlammverwertung. Zur Sinnhaftigkeit der Bestimmung, dass der Klärschlamm nicht mehr für die Düngung benutzt werden darf, sondern in die Klärschlammverbrennung gekarrt werden muss, wurden einige Fragezeichen gesetzt. Am Ende durften Patrick Sonderegger für die lebendige Betriebsführung und Christoph Wiggenhauser für die Organisation einen grossen Applaus entgegennehmen. Das Ziel einer Horizonterweiterung, wie es mit diesen Veranstaltungen bezweckt wird, wurde an diesem Nachmittag voll erfüllt.